Hürden links, Blumenwiese rechts, Hinweisschild "barrierefrei" zur Wiese

Vermeiden Sie unnötige Barrieren

Tag für Tag nutzen mehr Menschen das Internet. Darunter befinden sich auch viele Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Studien belegen, dass gerade sie das Internet besonders intensiv nutzen. Allerdings müssen Websites eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, damit ihnen dies auch möglich ist.

Einschränkungen sind sehr unterschiedlich mit dementsprechend unterschiedlichen Anforderungen: Manche Sehbehinderte brauchen eine starke Vergrößerung der Schrift, andere können bestimmte Farben nicht unterscheiden, Blinde lassen sich Internetseiten von einem speziellen Lesegerät (Screenreader) vorlesen, Menschen, die keine Maus bedienen können, sind darauf angewiesen, per Tastatureingabe zu navigieren, und so weiter ...

Übrigens können Behinderungen auch temporär sein. Schon ein gebrochener Arm kann dazu führen, dass jemand vorübergehend nicht mit der Maus zurechtkommt.

Das Alter bringt Behinderungen eigener Art mit sich. Alterssichtigkeit führt z.B. dazu, dass viele „Silver Surfer“ kleine Schriften nur mit Mühe lesen können. Wer keine ruhige Hand mehr hat, wird auch mit winzigen Klickflächen Schwierigkeiten haben. Das macht deutlich, dass der Übergang zwischen komfortabel bzw. allgemein benutzerfreundlich und barrierefrei fließend ist.

Häufig wird auch vergessen, dass große Datenmengen und damit lange Ladezeiten für Nutzer langsamer Internetverbindungen oder mobiler Endgeräte (z.B. Internet-fähiger Handys) eine unüberwindliche Hürde darstellen.

Barrierefrei: zugänglich für alle

Barrierefreies Webdesign sorgt dafür, dass eine Website von allen genutzt werden kann. Das heißt nicht, dass die Website für alle gleich aussieht oder gleich schnell und komfortabel erfasst werden kann, aber es heißt, dass der Inhalt für alle zugänglich ist.

Grundlegende Anforderungen

Grundvoraussetzung für Zugänglichkeit sind eine standardkonforme Auszeichnung und die strikte Trennung von Inhalt (Text, Bilder etc.), Gestaltung (Schriftarten, Schriftfarben, Hintergrund- und Rahmenfarben etc.) und Funktion (Skripte, die etwas „machen“).

Der Kern einer Website ist ihr Inhalt. Dieser sollte bei allen Nutzern vollständig und gut verständlich ankommen, auch wenn sie sich die Seiten vorlesen lassen oder bewusst auf die grafische Gestaltung verzichten, indem sie z.B. im Browser die Verwendung von Stylesheets abschalten, um Ladezeit zu sparen, oder einen Textbrowser nutzen.

In all diesen Fällen werden die Inhalte linearisiert dargestellt, d. h. sie folgen aufeinander wie im Quelltext angeordnet. Daher sollte diese Abfolge logisch und inhaltlich sinnvoll sein. Die Wahrnehmung einer grafischen Seite folgt anderen Regeln: Hier kann das Auge auf dem Bildschirm hin und her springen, wodurch Zusammenhänge komplexer wahrgenommen werden.

Dies wird besonders offensichtlich bei Tabellen. Visuell leicht zu erfassen, aber sehr mühsam, wenn man versucht, den Inhalt verbal, also linearisiert, wiederzugeben. Nichtsdestoweniger haben sie ihren Platz im Web, wenn es um tabellarische Daten geht. Tabellenbasiertes Layout sollte aber auf alle Fälle vermieden werden.

Ohne Stylesheets wird eine Seite mit den browsereigenen Grundeinstellungen angezeigt. Der Browser greift dazu auf die HTML-Auszeichnung im Quelltext zurück. Grafische Browser ordnen z.B. den Überschriften verschiedener Ebenen bestimmte Schriftgrößen zu. Damit eine Überschrift als solche dargestellt wird (also z.B. größer und fett), muss sie im Quelltext als solche ausgezeichnet sein und nicht etwa als "normaler" Text, der dann über das Stylesheet größer und fett gemacht wird. Semantische, also dem Sinngehalt folgende Auszeichnungen beschreiben die inhaltliche Struktur einer Website und sind deshalb eine wichtige Orentierungshilfe für Lesegeräte aller Art, Blindenbrowser ebenso wie Suchrobots.

Inhalt, Gestaltung und Funktion sollten ineinander geschichtet sein wie eine russische Matroschka. Wenn man eine Schicht wegnimmt, sollte das, was bleibt, in sich geschlossen und funktionsfähig bleiben. Eine weiter außen liegende Schicht darf nicht für das Funktionieren einer weiter innen liegenden Schicht vorausgesetzt werden.

  • Die semantische Struktur erhält eine Seite auf der Inhaltsebene. Für "das ist eine Überschrift" ist HTML zuständig und nicht die Gestaltungsebene.
  • Die Gestaltung erhält die Seite durch Stylesheets, also "Überschrift = groß und fett". Für die Art der Darstellung ist die Gestaltungsebene zuständig und nicht die Funktionsebene. Ein verbreitetes Negativbeispiel sind Ausklappmenus, die lange Zeit durch JavaScript gesteuert wurden. Wenn auf einer solchen Seite JavaScript ausfällt, sind oft nicht mal mehr die Links zugänglich, die Teil der Inhaltsebene sind.
  • Die Funktionsebene kann
    • Gestaltungselemente verändern, z.B. kann bei einer fehlenden Eingabe in einem Formular der Rahmen des entsprechenden Feldes auffällig gefärbt werden, oder
    • Dynamik hinzufügen, z.B. können Teile der Seite verborgen und wieder angezeigt werden.
    Der Grundzustand sollte immer so sein, dass auch bei Wegfall der Funktionsebene die anderen Ebenen intakt bleiben. Z.B. ist es kein Problem, wenn ein Inhaltsteil immer sichtbar ist, wohl aber, wenn er ohne JavaScript nicht erzeugt wird.

Immer notwendig

  • Bilder sollten immer mit einem kurzen, beschreibenden Alternativtext versehen sein, für die Nutzer von Lesegeräten ebenso wie für den Fall, dass keine Bilder angezeigt werden (können).
  • Schriften sollten skalierbar ausgezeichnet sein, damit die Schriftvergrößerung in allen Browsern problemlos funktioniert.

Ergänzende Angebote

Durch zusätzliche Maßnahmen wird eine Website noch besser zugänglich: Dazu gehören

  • der Einsatz von erklärenden Texten für Abkürzungen,
  • Sprachauszeichnung von Fremdwörtern,
  • Sprungverweise innerhalb der Seite,
  • Buttons zum Verändern der Schriftgröße,
  • Unterstützung zur Tastaturnavigation,
  • alternative Stylesheets, z.B. eine Hochkontrastansicht,
  • Transskripte von Podcasts oder
  • Gebärdenvideos für Hörgeschädigte.

In der Praxis wird man selten alles verwirklichen, was machbar ist. Dies ist sowohl davon abhängig, an welche Zielgruppe sich eine Seite wendet als oftmals auch eine Frage des Budgets. Die grundlegenden Anforderungen sollte jedoch jede Website erfüllen.